Christian Doppler Klinik
BGF: 3500 m²
Ort: Salzburg
Jahr: 2016

Kategorie                                 Gesundheitsbau
Bauherr Salzburger Landeskliniken,
Betriebs GesmbH (SALK)
Ort Salzburg
Jahr 2016
BGF 3500 m2

PROJEKTBESCHREIBUNG


Teilneubau der UK für Kinder- und Jugendpsychiatrie

 

1. Freiraum und Städtebau

Das räumliche Volumen des Neubaus der Kinder- und Jugendpsychiatrie wird dem Raumprogramm entsprechend in 5 eigenständigen Häusern, die durch eine gemeinsame Erschließungshalle verbunden sind, organisiert.Diese 2-geschoßigen Gebäude sind in ihrer Maßstäblichkeit, ihrem Erscheinungsbild und ihrer Positionierung zueinander als vertraute Ensembles von Einfamilienhäusern wieder erkennbar.

Die Konfiguration der überschaubaren Einheiten vermittelt Geborgenheit und Rückzugsmöglichkeit. Die Bedürfnisse der jungen Patienten stehen im Mittelpunkt.

Städtebaulich betrachtet werden die ursprünglich kleinteiligen Pavillonstrukturen der Christian Doppler-Klinik fortgesetzt und der Randlage des Bauplatzes zur ländlichen Umgebung entsprechend einer zeitgemäßen Interpretation eines bäuerlichen Hoftypus vorgeschlagen.

Besonders die Verzahnung der Gebäude mit dem grünen Freiraum schafft die gewünschte Atmosphäre von genesungsunterstützendem Ambiente. Die sensiblen Übergänge von innen und außen, tatsächliche Ausgänge sowie Blickrelationen, gewährleisten Rückzugsnischen, genauso wie halböffentliche Spiel-, Therapie- und Kommunikationsbereiche bis hin zu allgemeinen Erlebnis- und Gemeinschaftszonen.

Die städtebauliche Erschließung führt zu einem Vorplatz, der sich zwischen 2 Gebäudeflügeln des Neubaus, in Verlängerung der Magistrale und der Flucht der Schwimmbadhecke, aufspannt. Der attraktive Platz mit Sitzbereichen unter Schatten spendenden Bäumen verknüpft den Neubau mit den Häusern 4 und 6, also Tagesklinik, Schule und Therapiebereiche und integriert die Kirche zu einem dörflichen Ensemble.

Die bestehenden Besucherparkplätze der Geriatrie werden reduziert und etwas nach Westen verlegt, um den räumlichen Bezug zwischen Vorplatz und Therapieäckern im Norden durch einen großzügigen Jugenderlebnis- und Ballsportbereich zu ergänzen. Sparsam gesetzte Bäume markieren die Wegverbindungen und schaffen sonnengeschützte Verweilplätze, während der Hauptaugenmerk der Landschaftsgestaltung den Vorbereichen der Wohneinheiten gilt.

 

2. Architektur und baukünstlerischer Ansatz

Die Architektur geht von einer unpretiösen schlichten Gestaltung aus, die im äußeren Erscheinungsbild die innere Logik der Gebäude widerspiegelt. Alles ist der Zweckmäßigkeit und den Bedürfnissen des Heilungsprozesses angepasst.

Es wird eine Mischbauweise aus Holz und Beton vorgeschlagen, die in allen Belangen der Bauaufgabe als beste Konstruktionsmethode gerecht wird und nicht nur in wirtschaftlicher und ökologischer Sicht große Vorteile bietet, sondern auch in Anmutung, Haptik, Geruch etc. eine erdende Vertrautheit suggeriert.

Die Fassaden sind mit einer Vertikalen Holzschalung aus Lärchenholz geplant, die Dachflächen können mit selber Materialität die Homogenität der Baukörper unterstreichen.

Es werden sowohl für die Dienstzimmerfenster als auch für die Patientenzimmer Alkoven gleich große jedoch unterschiedlich Tiefe quadratische Formate vorgeschlagen. Ein umlaufender vorspringender Rahmen integriert den Sonnenschutzscreen.

Im Bereich größerer Innenräume werden die Fenster additiv zusammengefasst.

Die Übereck Fenster bei den Aufenthaltsräumen sind Raumhoche Schiebetüren.

Die gesamten Holzbauteile können vorfabriziert werden und helfen den Ausbauzeitraum deutlich zu verkürzen.

 

3. Funktionalität

Die Bereiche für die Kinder und die 2 getrennten Bereiche für Jugendliche sind jeweils in einem eigenen Haus untergebracht.

Der Akutbereich, der Unterbringungsbereich und der Stützpunkt sind wegen der sehr komplexen funktionellen Verknüpfungen in 2 weiteren Häusern organisiert.

Verbindendes Element zwischen den letztgenannten Funktionen ist der zentral gelegenen Pflegestützpunkt mit Informationsschalter. Diese mittig in der Eingangshalle positionierte Funktionsgruppe überblickt sowohl die Ankommenssituation, gewährleistet aber auch die Übersicht über die gesamten Stationen.

Die 2-Geschoßigkeit der Halle mit dem eingeschnittenen Atrium (mit "Dorflinde") ermöglich auch bei schlechtem Wetter ein tageslichtdurchflutetes Ambiente, das eine vertrauensvolle und unbeschwerte Atmosphäre ermöglicht.

Der Grundriss der Kinder- und Jugendhäuser ist so geplant, dass jeweils die Patientenzimmer entlang einer Gangseite aneinander gereiht werden und der Ess-Wohnraum bzw. die Sanitärbereiche auf der gegenüber liegenden Seite sind.

Die Funktionsgruppe Ess - Aufenthaltsraum - springt vor die Fassadenflucht der Nassräume und ermöglicht somit eine großzügig öffenbare Eckverglasung zum Garten.

Zwischen der - nur im Notfall zu nutzenden - Fluchtstiege des 1. OG und dem Aufenthaltsbereich ergibt sich eine überdeckte Freiterrasse, die sich L-förmig in den Garten fortsetzt. Von hier aus ist der Garten mit seinen verschieden definierten Zonierungen betretbar.

 

Zimmer:

Die Eingangstüre zu den 2-Bett-Zimmern liegt mittig in einer um 70 cm rückversetzten Nische, die die Türe bei geöffnetem Zustand nicht zu weit in den Gang ragen lässt, andererseits mit den links und rechts angrenzenden Kästen rauminnenseitig bündig abschließt und eine schützende Nische für das jeweilige Bett bildet.

Die Raumkonfiguration ist längsgestreckt, damit möglichst viel Fassadenlänge für Fenster zur Belichtung entstehen und der Abstand der jeweiligen privaten Rückzugsecke möglichst groß zueinander wird.

In der Raummitte können bewegliche Schreibtische für Hausaufgaben, gemeinsame Spiele etc. nach individuellen Bedürfnissen verschoben werden.

Das raumprägende Element sind die beiden Alkoven - erkerartige Fenster - in angenehmer Sitzhöhe mit weichen Polstern ausgestattet, die zum Lümmeln, Träumen, Beobachten, Lesen,… in einer Rückzugsnische einladen.

Diesem besonderen Fensterelement gegenüber steht ein bequemer Ohrensessel, der auch die Möglichkeit einer angenehmen Gesprächssituation bei Elternbesuchen eröffnet.

Vorhänge können den Bereich vom Bett zum Alkoven vom mittleren Raumbereich separieren.

Die Wände an den Schmalseiten des Raumes bieten Platz für Bücherregale, Pinnwände mit Magneten und eine große Wandtafel zum Zeichnen, Schreiben und Posten,…

 

Aufenthalts- und Esszimmer:

Das Aufenthalts- und Esszimmer wird als zusammenhängende Raumfolge interpretiert, zum Gang hin möglichst offen als Raumerweiterung erlebbar.

Dieser Bereich fungiert als Mittelpunkt des Gemeinschaftslebens, wie Wohnzimmer und Essküche zu Hause. L-förmige Sitzbänke um die Tische und L-förmige Sofabereiche ergänzt mit kuscheligen Sitzsäcken, eine Alkovennische bieten eine Vielzahl von Rückzugs- oder Kommunikationsbereichen je nach Lust und Laune.

Die sensible Raumsituation des Unterbringungsbereiches wird räumlich unmittelbar in Verbindung zum Schwesternstützpunkt nahe beim Eingang situiert.

Der Aufenthaltsraum des UBG ist direkt dem Freibereich zugeordnet und kann vom Stützpunkt aus beobachtet werden. Der Freibereich ist integriert in das bauliche Volumen des 5. Hauses. Die "normale" Hausfassade umschließt 2-geschoßig den Innenhof, die eingeschnittenen Fenster sind innenbündig versetzt, um keine Aufstiegshilfe zu geben und lassen den Innenhof lichtdurchflutet wirken.

 

4. Wirtschaftlichkeit und Ökologie

Die herkömmliche Massivbauweise, die verwendeten Materialen, der Verzicht auf eine Unterkellerung und die einfache Fassade sind Garant für eine gute Wirtschaftlichkeit.

Die Verwendung homogener Baustoffe garantiert geringe Errichtungskosten und das Gebäude kann am Ende seiner Lebensdauer mit geringem Auswand in seine Einzelkomponenten zerlegt und weiter verwertet werden.

 

5. Schalltechnische Überlegungen

Die gewählten 5 Häuser und deren Gruppierung um dem gemeinsamen "Dorfplatz" ermöglicht die Orientierung der Schlafräume nach Ost, West und Süd und stets abgewandt von der im Norden befindlichen Schallquelle der Bahnverbindung.

2 Patientenzimmer mit Orientierung zum Vorplatz werden durch eine vorgelagerte Prallscheibe zusätzlich geschützt.

Das Erdgeschoß 0-Niveau wird auf Höhe Magistrale angenommen, womit zum nördlichen Grundstücksrand eine Senke entsteht, die mit einer begrenzenden Gartenmauer eine insgesamt 2 m hohe Schallschutzbarriere ergibt.

 

6. Überlegungen zum Statischen Konzept

Konventionelle Stahlbeton Skelett Bauweise mit aussteifenden Beton Fluchtstiegen.

Der gewählte längs Stützenraster beträgt 7m, der Querraster mit Mittelstütze 5m.

Die gedämmten Außenwand-Holzsandwichelemente sind vorfabriziert und nicht tragend.