Geiselbergstrasse
BGF: 48 000 m²
Ort: Wien
Jahr: 2016

Kategorie                                 Wohnbau
Bauwerber GSB Projektentwicklung Eins GmbH & CO KG
Ort Wien
Jahr 2016
BGF 48 000 m2

PROJEKTBESCHREIBUNG


Das Wohnhausprojekt Geiselbergstraße 28 nimmt städtebaulich betrachtet die Form des traditionellen Wiener Wohnhofs auf. Die annähernd rautenförmige Konfiguration der 5-7-geschoßigen Randbebauung umschließt einen ca. 3.500 m² großen Innenhof, der einen weiteren punktförmigen Solitärbau beinhaltet.

Die architektonisch städtebauliche Spannung entsteht aus den Gegensätzen der nach außen klar definierten Großform, die sich neben den angrenzenden sehr großmaßstäblichen Nachbarschafts­bebauungen behauptet und dem intensiv begrünten, sehr privaten und ruhigen Innenhof mit seinen
beschaulichen Qualitäten.

Dieser Idee folgend erfolgt die gesamte fußläufige Erschließung der vier Bauteile (BT 1 / 2 / 3 / 5.1 / 5.2) über einen gemeinsamen Eingang (und Adresse) an der Geiselbergstraße. Durch Querung großzügigen Innenhofes, können die jeweiligen Stiegenhäuser zentral erreicht werden.

Der Bauteil 4 ist der bestehende Kindergarten der MA 11 im südlichen Bereich des Grundstückes, welcher in die Gesamtkonzeption integriert wird und durch einen weiteren möglichen 4-gruppigen Kindergarten im Bauteil 3 ergänzt werden kann. Der Zugang zum Kindergarten erfolgt über einen Fußweg an der westlichen Grundgrenze, die PKW-Zufahrt "Kiss and Go" erfolgt über eine Straße an der östlichen Grundgrenze, die gleichzeitig auch als Feuerwehrzufahrt und Zufahrt für die Müllfahrzeuge dient.

Die Garage für die Bauteile 1, 2, 3, 4 und 5 ist als gemeinsame Tiefgarage unter den Baukörpern situiert und an der nordöstlichen Ecke von der Geiselbergstraße über eine Rampeneinfahrt erschlossen. Die Einfahrt wird ins Haus inkludiert und weist einen genügend großen Abstand zum Nachbarn auf.

Das Nutzungskonzept sieht in der Sockelzone entlang der Geiselbergstraße eine Reihe von
Geschäftslokalen und Möglichkeiten zur gewerblichen Nutzungen vor. Diese können der Nahversorgung und Attraktivierung der öffentlichen Zone dienen.

Ein Rücksprung in der Erdgeschoßebene gibt Platz für eine großzügige Treppe, die zu einem im Unter­geschoß situierten Supermarkt führt. Die Positionierung im Untergeschoß macht eine direkte Anbindung an die Besucherparkplätze in der Garage möglich.

Die jetzt bestehende Apotheke wird nach zwischenzeitlicher Aussiedelung in ein Provisorium später in den Neubau integriert.

Die Erdgeschoßzone im Innenhof beinhaltet keine Wohnfunktionen, sondern ausschließlich Raumfunktionen allgemeiner Nutzung, wie Fahrradräume, Jugendspielräume, Waschküchen, Gemein­schaftsräume, Einlagerungsräume, Fitness- und Musikräume.

Somit ist sichergestellt, dass keine gegenseitige Beeinträchtigung von privaten und allgemeinen Funk­tionen die hohe Qualität der Erschließungs- und Aufenthaltszonen stört.

Ein sehr durchdachtes Freiraumkonzept mit üppiger Begrünung, vielfältigen Themenbereichen und den bauplatzbezogenen Kleinkind- und Jugendspielbereichen, schafft eine Atmosphäre hohen gestalterischen Anspruches.

Volumenverteilung, Ausnutzung der möglichen Bruttofläche und Höhenentwicklung entsprechen der aktuell gültigen Widmung und schaffen eine zeitgemäße Architektur.

Die gewählten Trakttiefen leiten sich von der Typologie der Mittelgang-erschlossenen Wohnungsgrundrisse ab, die der Forderung nach leistbaren Wohnformen gerecht wird.

Die vorgeschlagenen Grundrisse verfügen alle über großzügig dimensionierte Balkonflächen. Darüber hinaus werden in den Stockwerken allgemein zu nutzende Gemeinschaftsräume angeboten und auf den Dachebenen zusätzliche Flächen für Urban Gardening bereitgestellt.

 

Historische Fassade:

Das im Auftrag von Victor Schmidt zur Jahrhundertwende errichtete Fabrikgebäude erstreckte sich fast über die ganze Liegenschaft Geiselbergstraße 26 – 32 und war besonders geprägt von einem mächti-gen, fast 50 hohen Schornstein.

Die Fabrikanlage im 11. Bezirk wurde als Dependence der Schokoladenfabrik im 4. Bezirk Goldegg-gasse 6 um 1905 von Architekt Wilhelm Klingenberg konzipiert, der auch die Heller-Schokoladenfabrik am Belgrader Platz/ Davidgasse/ Gussriegelstraße geplant hatte.

Dem Produktionsverlauf entsprechend war eine Abfolge von Gebäuden für Anlieferung, Herstellung, Verpackung und Auslieferung mit den jeweiligen funktionellen Anforderungen errichtet worden.

Auch der späte Alterssitz von Victor Schmidt war als 2-geschossiger Gebäudeteil an der Geiselberg-straße situiert, angrenzend an das Hauptgebäude, das in 4 Geschoßen der Produktion und Verwaltung gewidmet war. Die Gebäudekonstruktion eine typische kurzgespannte Dippelbaumdecke zwischen Ei-senträgern, die von den Außenmauern über eine tragende Mittelmauer gelegt wurden.

Beim Vorortestandort Geiselbergstraße wurde – im Gegensatz zur innerstädtischen Lage im 10. Bezirk, wo bezugnehmend auf die Typologie der Blockrandbebauung auch die gestalterische Ausformulierung von Straßenschauseiten mit interessanter Betonung von Eingangsportalen und Stiegenhäusern mittels Risaliten und Ecktürmchen ein besonderes Stadtbild prägen – nur der notwendigen innerbetrieblichen Funktionsabfolge Beachtung geschenkt.

Die Fassade des Geiselberg-Gebäudes wurde von Architekt Klingenberg ohne Differenzierung des un-terschiedlichen Standorts in gleicher Weise wie beim vorangegangenen Werk übernommen. Die hori-zontale Schichtung der einzig durch Gesimsbänder akzentuierten vier Ebenen mit der gleichmäßig mo-notonen Wiederholung der Fenster entspricht den Belichtungsanforderungen der Betriebsanlage.

Die architektonische Lösung spiegelt die Typologie einer standardisierten wirtschaftlich sinnvollen Pro-duktionsstätte der Jahrhundertwende wieder und folgt dem späthistorischen Kanon für Nutzbauten.

Nach Übersiedlung der Süßwarenproduktion nach Tulln und mehrmaligem Besitzerwechsel wurde die devastierte Industrieanlage 1991 von Kallco zu einem Gewerbepark entwickelt.

Bis auf den 4-stöckigen Baukörper an der Geiselbergstraße wurden alle ursprünglichen Produktionsbe-reiche inkl. dem repräsentativen Wohnhaus abgerissen und durch Neubauten ersetzt.

Auch das Geiselberg-Gebäude wurde einer gravierenden Änderung unterzogen. So wurden die ur-sprüglichen Stiegenhäuser entfernt, ein neuer Funktionskern hofinnenseitig implementiert und die ei-gentliche Erschließung und Entfluchtung sowie die Lifte und Sanitärbereiche in zwei jeweils flankie-rende Zubauten ausgelagert.

Das Gebäude wurde fortan ausschließlich als Bürogebäude genutzt. Nach neu Entwicklung und Charakterisierung wurde beschlossen die ehemalige Schokoladenfabrik in den Neubau zu integrieren. An die Geschosshöhen des ursprünglichen Bestandes angepasste Loft Wohnungen, entsteht eine Vermischung zwischen Alt und Neu. Diese bildet einen interessanten Strassenraum und ermöglicht eine historische Geschichte für das gesamte Gebiet um die Geiselbergstrasse.

Die lebendige Sockelzone im Erdgeschoss sowie durch eine großzügige Treppe in den Untergeschoss, die mit Gewerbeflächen versehen ist,  befindet sich zurückversetzt hinter einer Arkade die durch öffnen und verbinden der Souterrain- und Parterrefenster geschaffen wird. Diese Maßnahme erlaubt eine Diffuse und repräsentative Schauseite zur Geiselbergstrasse die zur Herbeiführung eines zeitgemäßen ansprechenden örtlichen Stadtbildes führt.

 

Bauteil 1 auf BPL 1:

L-förmiges Grundrisslayout im nordwestlichen Grundstücksbereich mit druckbelüftetem Stiegenhaus im innenliegenden Eckpunkt.

Maximal 8 Ebenen, davon 2 zurück gestaffelte Dachebenen sowie gewerbliche Nutzung an der Geiselbergstraße.

 

Bauteil 2 auf BPL 2:

L-förmiges Grundrisslayout im nordöstlichen Grundstücksbereich mit druckbelüftetem Stiegenhaus im innenliegenden Eckpunkt.

Maximal 8 Ebenen, davon 2 zurück gestaffelte Dachebenen sowie gewerbliche Nutzung an der Geiselbergstraße.

 

Bauteil 3 auf BPL 3:

L-förmiges Grundrisslayout im südöstlichen Grundstücksbereich mit druckbelüftetem Stiegenhaus im innenliegenden Eckpunkt.

Insgesamt 8 Ebenen, teilweise 7 Ebenen, davon 2 zurück gestaffeltes Geschoss.

 

Bauteil 5.1 auf BPL 5:

Annähernd linearer Baukörper im westlichen Grundstücksbereich mit druckbelüftetem Stiegenhaus.

Insgesamt 7 Ebenen, davon 2 zurück gestaffelte Dachebenen. In den Sockelzonen im Innenhof sind die Einlagerungsräume situiert und mit Erdreich überschüttet sowie begrünt und ergeben einen freiräumlich interessanten sanften Hügel.

 

Bauteil 5.2 auf BPL 5:

Solitär im Innenhof mit amorpher Grundrissform, die zweigeteilt die optische Wahrnehmung verringert. Umlaufende Balkonplatten betonen die horizontale Schichtung der 5 Regel- und 2 Dachgeschoße, während senkrechte, der Außenkontur der Balkone folgende Rankgerüste die üppige Begrünung der Fassade ermöglichen.

Damit wird der freistehende Solitär gemeinsam mit dem angrenzenden Hügel und der restlichen Hofbegrünung zu einem gemeinsamen gestalterischen Grünthema.