Krankenhaus Rudolfstiftung
BGF: 23.400 m²
Ort: Wien
Jahr: 2014

Kategorie                                 Gesundheitsbau
Bauherr Wiener Krankenanstaltenverband
Projektkosten € 65 Mio.
Ort Wien
Jahr 2009-2014
BGF 23.400 m2

PROJEKTBESCHREIBUNG


STÄDTEBAULICHE MOTIVATION UND BAUKÖRPERSITUIERUNG

Der Bauplatz ist geprägt durch eine sehr heterogene städtebauliche Nachbarschaft, im Osten und Norden gründerzeitliche Wohnbauten in rigoroser Blockrandbebauung mit Bauklasse III und IV, im Süden das Krankenhaus Rudolfstiftung als vom Strassenraum weit abgerückte typische 70er Jahre Hochhausscheibe mit vorgelagertem alleinstehenden 2-geschossigen Funktionsbau und im Westen ein elliptisches Solitärgebäude mit Bauklasse III.

Das für die neue Psychiatrie und Rechenzentrum vorgeschlagene Volumen versucht zwischen den beschriebenen städtebaulichen Rahmenbedingungen harmonisch zu vermitteln, bei Bedacht auf Einbeziehung der erhaltenswerten Bäume, größtmöglichen Abstand zur nordöstlichen Wohnbebauung und innerer Orientierung bzw. Blickachsen diagonal über die Grundstücksecken in die Weite der Strassenräume. Dadurch wird trotz des beengten innerstädtischen Grundstücks ein optisch erlebbares Gefühl von Weite und Unbegrenztheit erzielt. Diese Grundhaltung wird durch die gewählte pavillonartige Baukörperform noch bestärkt. Die Pavillontypologie wird gleichzeitig auch als Referenz und Erinnerung an die Bebauungsstruktur des jetzigen Standortes ‚Baumgartner Höhe‘ verstanden und versucht die Leichtigkeit der in die Natur eingebetteten Pavillons im städtischen Umfeld neu zu interpretieren. Durch Abrücken von den Grundstücksgrenzen und sensiblen Ausformulierungen des leicht geschwungenen und abgerundeten Bauvolumens ergibt sich ein sehr harmonisches Ensemble. Die Taillierung im Süden und Norden des Gebäudes definiert eine elegante und klare Eingangssituation und lässt andererseits den Garten mit bestehenden Bäumen als relativ große zusammenhängende Fläche erlebbar werden.

HÖHENENTWICKLUNG

Der Hauptbaukörper ist als 5-geschossiges Gebäude - dem Raumprogramm entsprechend - mit jeweils einer Abteilung pro Ebene konzipiert. Das Erdgeschoss mit dem größeren Flächenbedarf der Ambulanzen wird als breitere 1-geschossige Sockelfläche für darüber liegende begrünte Terrassen verwendet. Das Dachgeschoss mit umlaufender Wind- und Absturzsicherung ist als begrünter Garten mit ringförmiger Baumallee als vollwertiger Erholungsraum mit weitem Fernblick ausgestaltet. Die notwendigen Haustechnikräume für Lüftung und Rückkühlung sind (unter 45° in die Dachlinie eingeschrieben) weit in die Mitte gerückt.

ÄUSSERE UND INNERE ERSCHLIESSUNG

Der Hauptzugang zum Psychiatrischen Krankenhaus befindet sich mittig in der Juchgasse, klar durch den leichten Baukörperrücksprung markiert.
Der Haupteingang wird durch zwei Bäume flankiert.

Die Ein- und Ausfahrt für die von einem externen Betreiber geführte Garage und die Rettungszu- und -abfahrt wird über eine Rampe am südöstlichen Grundstücksrand von der Juchgasse aus erschlossen.

Die Erschließung des Rechenzentrums erfolgt extern über einen separaten Eingang an der Barichgasse (Nordwestecke) und die Büroräume über das Stiegenhaus an der Nordostecke.

Die innere Erschließung der Psychiatrie ist klar von der mittig gelegenen Eingangssituation überschaubar. Eine zentrale Foyerzone in jedem Geschoss wird ostseitig von der Liftgruppe flankiert, westseitig über einen 4-geschossigen Innenhof belichtet.

Die gläserne Innenhoffassade lässt optimale Übersicht vom Pflegestützpunkt aus zu. Das lichtdurchflutete Atrium stellt das innenarchitektonische Highlight dar. Die Erschließungsgänge zu den Patientenzimmern sind rundum geführt und ermöglichen abwechslungsreiche Endlosschleifen im Inneren des Gebäudes. Unterschiedliche Wegführungen suggerieren den Anschein von abwechslungsreichen Raumeindrücken, wie im Freien. Die im Grundrissbild einem „X“ ähnlichen Gänge sind an den jeweiligen vier Enden als Stichgänge Richtung Licht und Aussicht orientiert. Die beschriebene „X“-Form ermöglicht es, die Sehachsen der die Gänge benutzenden Personen an den begrenzten Nachbarbauten vorbei in die Ferne vorbei zu leiten. Die entstehenden Perspektiven ermöglichen ein vielfach vergrößertes Blickfeld, das wiederrum die städtebauliche Intention des pavillonartigen Gebäudetypus in freistehender Landschaft unterstützt.

FUNKTIONALE ZUORDNUNG UND ZUSAMMENHÄNGE

Die Aufteilung und Organisation der Grundrisse erfolgt grundsätzlich nach logischen Funktionskriterien; im Erdgeschoss die stark frequentierten Ambulanzen mit intensivem Bezug zum allgemeinen Park, im 1. Obergeschoss die Gerontopsychiatrische Abteilung, welche die größere Grundfläche des Sockels für eine begrünte Sonnenterrasse nutzt. Die Primariate im 4. Obergeschoss und die Akutstationen im 2. und 3. Obergeschoss. Die Organisation der jeweiligen Ebenen ist geprägt durch die Situierung der Ein- und Zweibettpatienten ausschließlich nach Osten und Süden (erschlossen um den grünen Innenhof) wegen den größtmöglichen Nachbarschaftsabständen und attraktivsten Außenbezügen. An den südöstlichen und südwestlichen Gebäudeecken befinden sich Räume mit Sondernutzung mit Panoramaausblick nach Süden. In der Mitte des Grundrisses eine durch Glasscheiben absturzgesicherte Außenterrasse, die als Raucherbereich genutzt werden kann.

Die Dienst- und Funktionsräume orientieren sich kompakt nach Nord und West, wobei der mittig angeordnete Pflegestützpunkt einerseits kürzest mögliche Wege zu allen Patientenzimmern aufweist als auch durch die zentrale Lage beste Übersicht in die Gangbereiche als auch zu jedem Patientenzimmereingang gewährleistet. Durch die gewählte Stationsorganisation entsteht eine sinnvolle Trennung in den ruhigen Bereich der Patientenzimmer und dem Akutbereich, der zu gegebenen Zeiten auch räumlich abtrennt werden kann. Auch die zweiseitige Nutzbarkeit eines Bettenliftes unterstreicht diese mögliche Trennung. Das Rechenzentrum ist als integrativer Bestandteil des gesamten Projekts konzipiert. Um den komplexen Raumansprüchen und Raumbedarf des unterirdisch, gelegenen IT-Serverbereichs zu entsprechen, wird eine der Vorstudie ähnlichen orthogonalen Grundrisslösung verfolgt.

Auch unter Bedachtnahme der 125 PKW + 6 Motorräder fassenden Tiefgarage ist eine rechteckige Grundrissform, die den relativ kleinen Bauplatz maximal nutzt, sinnvoll.

Die entsprechende statische Auswechslung vom rechteckigen Kellergeschoss auf die freiere Baukörperform der Obergeschosse wird in der - aus Trümmersicherheitsgründen sowieso verlangten – 100 cm dicken Decke über dem Erdgeschoss bewerkstelligt.

Oberirdischen Büroräumen (Rechenzentrum) werden im nordöstlichen Bereich des Hauses im 4. Obergeschoss untergebracht. Ein externer Zugang von der Barichgasse mit Stiegenhaus und Aufzug erschliesst die Rechenzentrumbüros im 4. Obergeschoss.

GEBÄUDEHÜLLE UND FASSADE

Die Gebäudehülle wird den Forderungen des Niedrigenergiehauses entsprechend möglichst kompakt und homogen vorgeschlagen. Das eingeschnittene Atrium dient einer idealen inneren Querbelüftung im Sommer. Der nach oben geöffnete Hof schließt eine sommerliche Überhitzung aus. Die vorgeschlagene Außenfassade unterscheidet in 2 Typologien: Bei den allgemeinen Dienst- und Funktionsräumen kommen sogenannte französische Fenster (raumhoch, öffenbar mit Absturzsicherheit) zum Einsatz. Das Verhältnis Fensteröffnung zur Wandfläche entspricht den bauphysikalischen Anforderungen. Die Fassadengestaltung erlaubt einen großzügigen lichtdurchfluteten Raumeindruck. Die gewählte Fassade bei den Patientenzimmern ist bestimmt durch die beabsichtigte helle und freundliche Raumatmosphäre bei gleichzeitiger Möglichkeit dem Gefühl des Eingesperrtseins durch Öffnen des Balkonfensters und „Hinaustreten aus dem Haus“ zu entgegnen. Die luftdurchspülte Zweischaligkeit der Fassade erlaubt im Zwischenbereich die Außentemperatur, den Wind, die Geräusche der Stadt wahrzunehmen.

MATERIALIEN

Die gewählten Materialien der Fassade Holz, Glas und weißpulverbeschichtetem Aluminium werden unter dem Gesichtspunkt der Langlebigkeit und leichten Erhaltbarkeit bzw. Reinigung gewählt. Das Erscheinungsbild des Gebäudes soll ein Gefühl von Kompetenz und Modernität, gepaart mit warmen heimelig und vertraut assoziierten Farben und Materialien wecken. Das zum Einsatz kommende Holz sind für die Außenfassade geeignete, nicht verwitternde, hochdichte Holzschichtplatten. Im Sockelbereich wird ein grünlich, schimmerndes Sonnenschutzglas vorgeschlagen, das mit dem im Dachgarten gepflanzten Bäumen farblich korrespondiert. Die warme Holztönung der Fassade - einschalig bei den Dienst- und Funktionsräumen, zweischalig bei den Patientenzimmern - harmoniert mit dem weichen, gerundeten Baukörper.

GRÜNFLÄCHEN

Im Eingangsbereich des neuen Gebäudes in der Juchgasse entsteht ein Vorplatz mit Zierbirnen und Rasenflächen. Bänke laden zum Verweilen ein. Zur Barichgasse hin wird ein öffentlich zugängiger kleiner Garten mit einem schattigen Treffpunkt unter den beiden großen alten Bäumen geschaffen.

Im ersten Obergeschoss werden drei unterschiedliche Freiräume angelegt: Ein begrünter Innenhof, eine große Terrasse an der Westseite mit Pflanzentrögen und eine kleine geschützte Terrasse an der Ostseite, die mit niedrigen Hecken und blühenden Pflanzen gestaltet wird. Am Dach des Gebäudes entsteht ein Aufenthalts- und Therapiebereich für die Patientinnen und Patienten. Zwischen Beerensträuchern und Zierapfelbäumen liegen Hochbeete, die individuell von den Patientinnen und Patienten gestaltet werden können.