KH Hietzing / SMZ Ost
BGF: 7650 m²
Ort: Wien
Jahr: 2015

Kategorie                                 Gesundheitsbau
Status Wettbewerb
Bauherr KAV Wien
Ort Wien
Jahr 2015
BGF  7650 m2

PROJEKTBESCHREIBUNG


KH Radioonkologie Hitzing 

Konzept

Bei der unter Denkmalschutz stehenden Bausubstanz ist die Form des Pavillons durch kräftige Vor- und Rücksprünge von Mittel- und Seitenrisaliten charakterisiert, die zwischen den Flügeln kleine hofähnliche Vorplätze bilden. Kombinierte Putz- und Sichtziegelfassaden bringen lebendige Architektursprache in das Erscheinungsbild. Die Bausubstanz entspricht nicht mehr den technischen, medizinischen und infrastrukturellen Anforderungen. Patientenbedürfnisse sind oberstes Gebot – ein Umdenkprozess zu patientenorientierter Dienstleistung und Qualitätsausbau, Erneuerung und Standardverbesserung der bestehenden Struktur, unter Einhaltung eines engen finanziellen Korsetts, ist gefordert. Ziel ist es, die historisch einmalige und wertvolle Spitalsanlage zu erhalten und gleichzeitig wirtschaftliche und dem Denkmalschutz entsprechende Lösungsvorschläge für die Generalsanierung und Adaptierung zu schaffen. Der Umgang mit der unter Denkmalschutz stehenden historischen Vorgabe, eine Suche nach zeitgemäßer Interpretation und Architektursprache bedingen ein hohes Maß an Sensibilität, Feinfühligkeit und Verständnis für medizinische und psychotherapeutische Inhalte. Kriterium ist, durch feinfühlige Eingriffe die Wechselbeziehung zwischen innen und außen herauszuarbeiten und vor allem einen inneren bestmöglichen Funktionsablauf zu ermöglichen, der die Betreuung und Therapie als Unterstützung des Heilungsprozesses garantiert.

Architektonischer Lösungsansatz

Um das geforderte Raumprogramm organisationstechnisch bestmöglich zu bewerkstelligen werden drei wesentliche Baumaßnahmen vorgeschlagen. Erstens: Zur Vergrößerung der Nutzfläche werden an der Ostseite an die beiden bestehenden Vorbauten ergänzende Raumvolumen angebaut. Diese weitgehend verglasten Bauteile nehmen Patientenzimmer auf. Zweitens: Als flächenmäßige Erweiterung und um die erforderlichen Raumgrößen zu realisieren, werden Teile der Mittelmauer durch platzsparende Betonpfeiler ersetzt. Drittens: Zum Nutzbarmachen des Dachgeschosses wird dessen Ausbau vorgeschlagen.

Glas, als Implantat lässt der historischen Fassade des Pavillons die Freiheit, für sich selbst wirksam zu sein, Wand zu sein. Glas als Implantat ermöglicht den Menschen den Blick ins Innere, Äußere, Fernere. Glas ist auch gleichzeitig glänzender Blickfang bei Tag und weithin sichtbare Lichtskulptur bei Dämmerung und Nacht, bildet Orientierung. Die optischen Erweiterungen und Ausblicke unterstützen die Orientierung von geistig Verwirrten und/oder in einer Ausnahmesituation befindlichen Menschen, dienen der Kontaktaufnahme und der Überschaubarkeit. Sie unterstützen jedoch auch den nicht außer Acht lassenden Kontrollaspekt des Pflegepersonals.

Im Rahmen des Entwurfes der an der Ostseite des Pavillons gelegenen Patientenzimmer werden Teile der ca. 80 cm breiten Mittelmauer entfernt und durch eine neue Stahlbetonstruktur abgefangen, denn nur so sind die Sanitärboxen, bei Einhaltung aller Rollstuhlrangierflächen, innerhalb der Zimmereinheiten, integrierbar. Durch diese baulichen Konsequenzen ergibt sich für die Patientenzimmer die größere Raumtiefe. Durch Oberlichtbänder der möbelhaften holzverkleideten Sanitärzellen wird Licht vom Gang in die Sanitärräume gebracht, die insbesondere in der Nacht vorhandene Furcht, einen finsteren Raum zu betreten, wird hintangehalten. Durch den Wegfall der Mittelmauer entsteht einerseits ein Raumgewinn von 120 m² pro Ebene, andererseits bringt diese Entkernung auch eine Umwertung der gesamten Binnencharakteristik des Pavillons, eine suggestive innere Aufweitung des Volumens. Direktes Tageslicht strömt über die Zimmer in den Gang und in die Schicht aller fensterlosen Nebenräume. Die Wandpartien mit den Zimmertüren bleiben annähernd in der alten Gangflucht, so dass im Rhythmus mit den holzverkleideten Sanitäreinheiten ein akzentuierter Übergang zwischen dem öffentlichen Flurbereich und der Privatheit der einzelnen Zimmer entsteht. In jedem Geschoß ist der Bereich des Pflegestützpunktes als zentrale Drehscheibe, einladend, transparent, überschaubar, er schiebt sich - als Glasbox konfiguriert - sanft in den Gangbereich - geschlossen und offen zugleich - ermöglicht Kommunikation auf kurzem offenen Wege. Auch von den dahinter liegenden Funktionsräumen ist durch entsprechende Wandöffnungen die optische Verbindung zu dem Gangbereich, dem Stationseingangsbereich und in weiterer Folge den Tagräumen gegeben. Die neuen Tag-/Aufenthaltsräume sind als zentral gelegene Einbauten rund um den Balkon auch mit den Raucheraufenthaltsbereichen verknüpft. Beschreibung der Regelgeschoße 1., 2., 3. OG: Je 2 Abteilungen teilen sich eine symmetrische Geschoßebene. Die vertikale Erschließung für Patienten, Personal und Besucher erfolgt zentral über ein neues Stiegenhaus mit zwei Personenliften. Das Personal kann zusätzlich über die denkmalgeschützten Stiegenhäuser an der der Nord- und Südflanke die jeweiligen Diensträume und auch die Garderoben im Souterrain erreichen.

Die neue vertikale Haupterschließung führt direkt zu den jeweiligen Eingängen der Abteilungen und ermöglicht durch die gewählte Grundrißposition das Freihalten einer komplett unabhängigen Funktionseinheit der Akutzimmer mit direktem Bettenlift in Anbindung zur Rettungszufahrt im Erdgeschoß. Durch die gewählte Stationsorganisation entsteht eine sinnvolle Trennung in ruhigen Bereich der Patientenzimmer und Akutbereich, der räumlich abgetrennt ist. Auch die zweiseitige Nutzbarkeit der Liftgruppe unterstreicht diese Trennung in ruhige und aktive Zone. Die Organisation der Abteilungen richtet sich nach dem Grundsatz der idealen Übersicht vom Stützpunkt zu den Zimmereingängen und kurzen Wegverbindungen des Personals. Der Bereich der  Dienstzimmer kann als abtrennbare Funktionseinheit rund um die bestehenden Stiegenhäuser organisiert werden.

Abweichend von der Typologie der Regelgeschoße beinhaltet das Erdgeschoß nur die Behindertenpflegestation und zusätzlich die Funktionsgruppen der Ambulanz und Tagesklinik. Die witterungs-, aber vor allem die blickgeschützte Zufahrt für Rettung und Polizeibegleitung wird asymmetrisch angeordnet und kann über eine Bypass-Verbindung neben den eigentlich mittig gelegenen Hauptzugang direkt über Kriseninterventionsraum zum Bettenlift (mit Vorrangschaltung für Notfalltransporte) den Transport zu den Akutbereichen der Regelgeschoße ermöglichen. Durch bauliche Maßnahmen kann das ehemalige Souterrain zu einem attraktiven neuen Therapiebereich mit unmittelbarem Ausgang auf die vorgelagerten Terrassen und den Garten ausgebaut werden.

Die Personalgarderoben sind im Südtrakt dem Haupteingang der Spitalsanlage zugewandt und können über das bestehende Stiegenhaus erreicht werden. Das Pro Mente-Kaffee mit externem  Zugang von derWolkersbergenstraße kann kommunikationsfördernd auch von der Öffentlichkeit mitgenutzt werden. Gemütliche Sitzecken in der Cafeteria vermitteln ein Gefühl von Alltagsnormalität. Hier warten Patienten der Tagesklinik und Ambulanzen und Besucher begleiten ihre Angehörigen zum Kaffee. Im 3. Obergeschoß werden die Primariate und die Administration, disloziert von den Pflegestationen angesiedelt.

 

SMZ Ost 

Funktionales Lösungskonzept 

 

Der Entwurf schlägt ein im Grundriss L-förmiges Gebäude vor. Ein niedriger Quertrakt parallel zur bestehenden Tiefgarage, nimmt die strahlungsintensiven LINAC-Räume mit direkt darüber positionierter Haustechnik auf  sowie ein rechteckigen 5-geschoßiger Baukörper, der die überwiegenden Funktionsbereiche beinhaltet.Diese strukturelle Aufteilung der Funktionsgruppen ermöglicht das Zusammenfassen von Teletherapie, Brachytherapie und Röntgen, also jene Bereiche mit hohen baulichen Strahlenschutzvorkehrungen und daher hohen statischen Deckenbelastungen direkt auf gewachsenem Geländeniveau.Die Anbindung des ATS-Systems erfolgt in logischer Verlängerung der bestehenden Anlage im Südwest-Gebäudeeck. 

Die vertikale Verbindung zwischen den Geschoßen erfolgt getrennt nach Patienten, Personal und Warenan-/-ablieferung. Der Personallift ist gleichzeitig Feuerwehraufzug mit angrenzendem druckbelüftetem Fluchtstiegenhaus.

Um die jederzeitige Redundanz bzw. die hohe Frequenz an Patientenströmen zu bewältigen, wird der zentral gelegene Patientenlift als Duplexgruppe vorgeschlagen.

Die horizontale Anbindung ist entsprechend dem Anforderungsprofil im 1. OG des Bestandsgebäudes angesiedelt. Die Verbindungsbrücke wird als Verbindungsraum vorgeschlagen, um die verschwenkte Gehrichtung bequem auszugleichen.

Die externe Anbindung mittels Krankentransport ist als witterungsgeschützte Vorfahrt im Partio des Ladehofs angedacht.

Die gewählte Position der Linac-Räume ermöglicht einen ca. 4 m räumlichen Abstand zur Garage und somit keine notwendigen baulichen Veränderungen des Bestands (die einem Konsensverlust und zu einer komplizierten Neubewilligung der Garage führen könnte).

Es bleibt die Querdurchlüftung und Brandentrauchung erhalten, der Abstand ist groß genug, um die Arbeitsplatzbelichtung der Schalträume möglich zu machen und insgesamt kann eine baulich kostspielige Abfangung der Garagenfundamente entfallen.

Die Linac-Räume werden an der dem Blickfeld des Patienten zugewandten Hauptwand mittels einer hinterleuchteten Spannfolie mit perspektivisch wirkenden Landschaftsmotiven gestaltet.

Verbunden mit unterschiedlichen Grundfarbstimmungen des Raumes und angenehmer Beschallung mit Hintergrundmusik kann dem Patienten ein hohes Maß an Aufenthaltsqualität geboten werden.

Die Zwangspunkte der Erschließung (fußläufige Anbindung im 1. OG, Rettungszufahrt im EG, damit notwendige Haupt- und Subleitstellen), der Umstand der räumlichen Beengtheit des Bauplatzes sowie der besonderen Berücksichtigung von arbeitsinspektorrechtlichen Bedingungen von strahlungsgeschützten Aufenthaltsräumen führen folgerichtig zur vorgeschlagenen Baukörperform und Geschoßkonfigurationen.

Jede Funktionseinheit kann autark ein eigenes Geschoß besiedeln, störende Wegdurchkreuzungen von verschiedenen Abteilungen entfallen.

Die Entflechtung von Patienten- und Personalströmen ist optimal gewährleistet.

Alle Arbeits- und Aufenthaltsräume haben Tageslicht und öffenbare Fenster, die inneren Erschließungsgänge und das Stiegenhaus sind natürlich belichtet.

Der Patientenwartebereich in der Teletherapie hat aus Sichtschutzgründen überwiegend Oberlichtverglasung, die ein angenehm helles sonnenlichtdurchflutetes Ambiente ermöglicht.

Als optionale Variante zur vorgeschlagenen Konfiguration der vier Bunkerräume könnte - nach genauer Abwägung des eventuell zu verändernden Garagendecks - eine Lösung mit tagesbelichteten Innenhöfen zur Umsetzung kommen.

Dabei wäre ein näheres Heranrücken zur Nordseite des Grundstückes notwendig. Die dadurch gewonnene Trakttiefe könnte mit einem ca. 30 m² großen begrünten Lichthof genutzt werden.

Einfallendes Tageslicht und hübsche blühende Pflanzen helfen, die psychisch und physisch belastende Situation der Bestrahlung angenehmer zu gestalten. Das Gefühl von Beengtheit wird gänzlich vermieden.

Diese Lichthöfe werden mit einer Verglasung überdacht vorgeschlagen und können zu Wartungszwecken begangen werden.

Der "Lichtschacht" wird entsprechend hoch gezogen, um keine Strahlung austreten zu lassen.