Naglergasse
BGF: 4.600 m²
Ort: Wien
Jahr: 2015

Kategorie                                 Wohnbau
Bauherr

Wüstenrot Versicherungs-AG

Ort Wien
Jahr 2012-2015
BGF 1.000 m2

PROJEKTBESCHREIBUNG


Das Eckhaus am Graben,1010 Wien, wurde 1887 von Architekt Ferdinand Fellner für den Textilunternehmer Johann Liebig geplant und als typisch gründerzeitliches Zinspalais errichtet.
Die Schmalseite mit den charakteristischen, venezianischen Balkonloggien wird über weite Distanz vom Graben her betrachtet, als prägnantes Gebäude wahrgenommen. Diese Schauseite zum Graben und die ersten drei Fensterachsen der Naglergasse, stehen als gesamtes unter Denkmalschutz die weiteren vier Fensterachsen der Naglergasse sind nur als Fassade geschützt.
Das Bestandsgebäude wird statisch ertüchtigt und die Wohn- und Büroflächen in Teilbereichen saniert bzw. nach neuen Funktionszusammenhängen adaptiert. Im Dachgeschoss wird der derzeitige Dachgeschossausbau durch ein neues Dachvolumen mit zwei modernen, luxuriösen Maisonette- Mietwohnungen ersetzt.

Der Zugang erfolgt über die Naglergasse im Erdgeschoss und weiter über einen repräsentativen, gläsernen Aufzug in die Wohn- und Bürogeschosse und ins Dachgeschoss.
Die Außenform des neuen Dachgeschossaufbaus ist im Westen defi niert durch die Sichtachse vom Graben, Standort Pestsäule, im Norden durch die 45 Grad zulässige Dachneigung und im Süden und Westen durch angrenzende Feuermauern, bzw. zulässige Bebauungshöhe. Das neue Dachvolumen ‚duckt‘ sich unterhalb der Sichtachsen der angrenzenden Straßenfluchten um das gewohnte Erscheinungsbild des Gebäudes möglichst gering zu verändern. Besonders die dem Graben zugewandte Seite wird durch ein nur 11 Grad flaches Dach sensibel ins vertraute Straßenbild integriert. Die charakteristischen Dachfiguren auf der ums Eck laufenden Balustrade bleiben in ihrer freistehenden, optischen Wirkung unangetastet.

Das gewählte Material für die trapezförmige Dachfläche ist matt-silbriges Alucobond. Eine Terrasse auf Attika-Ebene wird durch die auskragende Dachfläche markiert und mittels präziser, ausgeschnittener Lamellen, die als integrierter Teil der Fläche wahrgenommen werden, beschattet.
Eine zweite, höher liegende Terrasse wird analog herausgeschnitten und ermöglicht die Einbeziehung eines Hofes als Lichtquelle in der grundrisslichen Organisation.

Die leichte, schwebend Anmutung der Dachfläche wird unterstützt durch die am Grat präzise und scharfkantige ansetzende, komplett gläserne Oberfläche der Dachschräge entlang der Naglergasse. Diese nordseitige Glasfassade nimmt Bezug auf die Typologie von großzügigen Atelierverglasungen. Obwohl im Innenbereich teilweise aus Sichtschutz und Akustikgründen auch undurchsichtige Paneele zum Einsatz kommen, ist die Außenansicht im Erscheinungsbild homogen.

Dem Gedanken der schwebenden Dachfläche folgend wird eine komplette Durchsicht an der Dachunterkante (rauminnenseitig) von der oberen Terrasse durch den Innenraum über die untere Terrasse, die bestehende Balustrade querend, hinunter bis zum Graben möglich.

Die Naglergassen seitige Dachfläche wird durch drei leicht heraus gekippte Gaupen rhythmisiert. Im Grundriss Layout befinden sich hinter diesen Gaupen Schlafräume. Wegen der großen Nähe der gegenüberliegenden Gebäude ist eine zu große Transparenz nicht wünschenswert, weshalb nur die seitlichen, dreieckigen Zwickel transparent gestaltet werden, während die Frontflächen semitransparent bzw. veränderbar transparent vorgeschlagen werden.