Siemens Tower
BGF: 78.200 m²
Ort: Wien
Jahr: 2010

Kategorie                                 Bürobau
Bauherr Siemens AG
Projektkosten € 145 Mio.
Ort Wien
Jahr 2007-2010
BGF 78.200 m2

Projektbeschreibung


ARCHITEKTONISCHER ANSATZ

Der städtebauliche Leitgedanke ist einerseits bestimmt durch die vorgeschlagene Dichteverteilung der Stadtplanung, andererseits beeinfl usst durch das Thema der Aussendarstellung bzw. der inneren Vernetzung und Kommunikation des Global Players Siemens. Die Öffnung des jetzt geschlossenen und gesicherten Areals und die Nord-Süd-Durchquerung mittels einer neuen öffentlichen Strasse defi niert mögliche Bauplätze. Der Schwerpunkt der baulichen Struktur ist konsequenterweise im Schnittpunkt der öffentlichen Infrastrukturanbindungen im Nordbereich der Liegenschaft.

NACHHALTIGKEIT

Ausgehend von hohem Nutzungs- und Umweltstandards sowie grösstem Komfort für Nutzer und Betreiber wurde auf Minimierung des Energieeinsatzes für den Gebäudebetrieb und damit verbunden den Betriebskosten, Minimierung der Schadstoffemissionen sowohl bei Bau als auch im Betrieb und Nutzung der natürlichen Ressourcen wie Luft, Wasser, Sonne und Erdwärme gesetzt.

Das Siemens Österreich-Headquarter in Wien-Floridsdorf spart durch den Einsatz moderner und hocheffi zienter Gebäudetechnik rund 1.000 Tonnen CO2 pro Jahr. Bereits bei der Planung des Gebäudes wurde mit gutem Beispiel vorangegangen und auf eine nachhaltige Bauweise geachtet. Dafür wurde die Siemens City neben dem Green Building Certifi cate der Europäischen Kommission auch mit dem LEED-Gold Zertifi kat des U.S. Green Building Councils (USGBC) ausgezeichnet. Es ist damit das erste Bürogebäude seiner Art in Österreich mit dieser hohen Auszeichnung. Das LEED-Zertifi kat wurde im Jahr 2000 vom U.S. Green Building Council gegründet. USGBC ist eine international tätige, unabhängige Organisation aus den Vereinigten Staaten, welche Gebäude aller Art hinsichtlich ihres Nachhaltigkeitsaspektes beurteilt und auszeichnet. Die Bewertung erfolgt über ein Kategoriensystem, in dem Punkte für eine Zertifi zierung gesammelt werden können. Bürogebäude werden nach den Kriterien Grundstücksauswahl, Einsatz von Wasserressourcen, Energie und Klima, Materialien- und Ressourcenverwertung und Innenraumqualität beurteilt. Für die Erlangung des Goldstatus waren mindestens 39 Punkte notwendig – die Siemens City sammelte 47 Punkte und schliesst damit die LEED Gold- Zertifi zierung mit einer überdurchschnittlichen Bewertung ab.

Der städtebauliche Schwerpunkt der Gebäudestruktur liegt im Schnittpunkt der öffentlichen Infrastrukturanbindungen im Nordbereich der Liegenschaft.

Hier setzt der Siemens Tower den städtebaulichen Akzent der campusartigen Anlage. Diesem angeschlossen sind modulare, autarke Pavillons entlang der verbindenden Communication Line aufgereiht, welche als grosszügiger lichtdurchfl uteter Bereich erlebbar ist. Eine entspannte, aber kreativ anregende Atmosphäre mit differenzierten Intimitätsbereichen und reicher Begrünung suggeriert eine hochattraktive Arbeitsumgebung. Die Vielzahl von angelagerten Funktionen reichen von Restaurants, Espressobars, Bank oder „Für-Uns-Shops“ über Loungebereiche zum entspannen bis zu vernetzten informellen Touch-Down - Arbeitsbereichen und schaffen einen abwechslungsreichen Raum für Kommunikation und Ideenaustausch.

Der weit sichtbare Tower besteht aus zwei geknickten Flügel, die in einem Winkel von ca. 110° zueinander stehen. Diese schaffen hier eine einladenden, sich öffnenden Geste zur davor liegenden Plaza. Zwischen den Flügeln liegt eine Mittelzone mit Aufzügen und TGA-Schächten sowie drei übereinander liegender, jeweils dreistöckiger Skygardens, die die Horizontalaussteifung zur Ableitung der Wind- und Erdbebenkräfte übernimmt. Die Geschossebenen des Landmark Buildings verspringen in Längsrichtung der Flügel um 90cm je Stockwerk in Richtung Siemensstrasse, sodass sich eine Auskragung von ca. 11m ergibt. Die abgewandten Flügelenden sind entsprechend abgetreppt. Die so gestalteten Stirnfassaden sind zudem gegen die Längsachse verdreht. Die Stirnfassade des Nordfl ügels wird zusätzlich in der Decke über 6.Obergeschoss entgegen der tieferliegenden Fläche verdreht, so dass in der Südwestfassade ein Sprung von ca. 11m entsteht. Die konstruktive Lösung für die Lastabtragung sieht hierbei ein Fachwerk aus schrägen Zug- und Druckstreben in der Fassadenebene vor. Die Innenstütze im Auskragungsbereich wird dazu von einem Überzug über der Dachdecke auf die Schrägstützen in den Fassaden transferiert.

Im Bereich der auskragenden Flügelspitzen wird zur Gewichtsreduzierung das Cobiax-System eingesetzt, welches das Eigengewicht in diesem Bereich um ca. 35% vermindert und somit schlankere und wirtschaftlichere Stützendimensionen ermöglicht.

Die Grundlast-Wärmeversorgung des Towers erfolgt über das örtliche Fernwärmnetz. Zusätzlich werden die aus statischen Erfordernissen notwendigen Fundierungspfähle zur Gewinnung von Kälte und Wärme aus dem umgebenden Erdreich genutzt. Dazu werden die erdberührenden Betonbauteile mit Rohren aus Polyethylen belegt und dienen somit als Wärmetauscher für die Wärme- und Kälteversorgung des Gebäudes.

Die Grundheizung der Bürofl ächen erfolgt durch thermisch aktive Decken-Betonkernaktivierung. Diese ist ein Aktivspeichersystem und dient der Kühllastabfuhr im Sommer sowie der Heizlastabdeckung im Winter. Hierbei werden zur thermischen Aktivierung von Betondecken wasserdurchfl ossene Rohrregister in Form von vorgefertigten Matten zwischen unterer und oberer Bewehrung gelegt. Durch Positionierung der Rohre direkt in der Betondecke wird die Speicherfähigkeit dieses Bauteils genutzt. Der aktive Prozess ist das Beladen oder entladen des Bauteiles mit Kälte und Wärme während der Nachtstun-den. Am Tag erfolgt passiv der Eintrag der externen und internen Lasten in den Baukörper. Die Regelung des Systems erfolgt in Abhängigkeit von Aussentemperatur und Sonnenbestrahlung mittels Thermostatventile bzw. über Einzelraumregler in den Besprechungszimmern, welche zusätzlich mittels Kühldecken gekühlt werden.

Ein übergeordnetes Gebäudeautomatisierungssystem steuert abhängig von Arbeits- und Betriebszeiten sowie Feiertagen und Urlaubszeit zeitlich die Abläufe und Prozesse der gesamten gebäudetechnischen Anlage. Zeitschaltprogramme sorgen dafür, dass nach Arbeitsschluss Heizung und Beleuchtung automatisch ausschalten, nachts die Temperatur abgesenkt wird und die Anlagen nicht länger als nötig laufen. Integriert in dieses übergeordnete Gebäudeautomationssystem ist ein Raumautomationssystem, welches bedarfsabhängig für individuellen Komfort der Gebäudenutzer sorgt. Durch die modulare Konzeption lassen sich Beleuchtung und Jalousien mit der HKL-Regelung kombinieren. Der Benutzer kann somit alle Raumfunktionen nach seinen Bedürfnissen beeinflussen.

Zusammen mit dem Einsatz von Nutzwasser für sämtliche WC-Einheiten, Urinale sowie Aussenauslaufhähne, Einbeziehung von Sonnenkollektoren zur Warmwasserbereitung, Steuerung der künstlichen Beleuchtung mittels Bewegungsmelder und Helligkeitssensoren, etc. ist die Siemens City ein Vorzeigemodell für nachhaltiges Bauen mit höchstem Komfort für Benutzer.

Die Punktevergabe für die Siemens City im Detail

Die Energieversorgung erfolgt durch Fernwärme aus Kraft-Wärme-Kopplung – es gibt keine eigene Kesselanlage. Zur Heizung und Kühlung wird zusätzlich Geothermie genutzt, ausserdem verfügt die Gebäudemasse über einen Wärme- und Kältespeicher mit witterungsgesteuertem Sonnenschutz. Zur Warmwasserbereitung der Restaurants dient eine Solaranlage. Die Wärmetauscher in der Haustechnikzentrale am Dach der Siemens City ermöglichen eine Wärmerückgewinnung von bis zu 75 Prozent aus der Abluftenergie. Das Gebäude ist auf einer Industriebrache errichtet, es musste kein weiteres unerschlossenes Grundstück in Anspruch genommen werden. Das Gelände verfügt ausserdem über einen grossen Anteil an begrünten Flächen. Dadurch kann bei Niederschlag mehr Regenwasser versickern und in das Grundwasser überströmen – die öffentlichen Abwasserkanäle werden weniger belastet. Die Siemens City verfügt über eine hohe Anzahl von Fahrradabstellplätzen und Duschen, um den MitarbeiterInnen eine Anreise ohne Auto zu ermöglichen und somit zusätzlich CO2 zu reduzieren. Die Dusch- und WC-Anlagen sind mit wassersparenden Armaturen ausgestattet. Innenraumkonzept: Die Büros verfügen über intelligente Beleuchtungstechnik und werden mittels Bauteilaktivierung beheizt und gekühlt. Bei der Konzeption der Büroräume wurde auf einen hohen Tageslichteinfall geachtet. Durch den Einsatz emissionsarmer Materialien und Geräte im Bürobereich werden die MitarbeiterInnen effi zient vor Innenraumluftverschmutzung geschützt. Raucherzonen wurden nach Außen verlegt. In der Bauphase wurde auf einen erhöhten Einsatz von regionalen Materialen und Materialien mit einem hohen Recyclinganteil Wert gelegt.