Wilhelminenspital
Logistikzentrum
BGF: 45.200 m²
Ort: Wien
Jahr: 2012

Kategorie                                 Gesundheitsbau
Bauherr Wiener Krankenanstaltenverbund
Ort Wien
Jahr 2011
BGF 45.200 m2

PROJEKTBESCHREIBUNG


STÄDTEBAULICHE QUALITÄT

1. Positive Werbewirksamkeit durch fachübergreifende Planung

Definition eines öffentlichen Platzes als Vorbereich zum Eingang der Hauptverwaltung mit eindeutiger Adressbildung. Das Verwaltungsgebäude fungiert als „Torgebäude“ und als Auftakt für das angrenzende, sehr grosse Areal des Wilhelminenspitals. Das Bürogebäude kragt über die wichtige Verbindungsachse des öffentlichen Fussgänger-Boulevards aus und schafft einen Durchgang vom Vorplatz zum hinteren Krankenhausareal, um die funktionale Verbindung und Zusammengehörigkeit zu unterstreichen. Dieser zweigeschossige Luftraum lässt den Blick in den Park und zum späteren Haupteingang des zukünftigen neuen Krankenhauses schweifen.

Das Bürogebäude teilt sich in eine neunstöckige Ost-West gestreckte Scheibe und ein vierstöckiges Volumen, das die Orthogonalität der Bebauungsstruktur des Betriebsgebäudes und die verschwenkte Richtung des Boulevards entlang der Montleartstrasse in sich vereint.

Eine zurückhaltende, funktionelle Fassadengestaltung vermittelt der Bauaufgabe angemessene Präsenz und wird zu einem markanten Landmark, das hohe Identität schafft. Die zweischalige Fassade dient dem Sonnen- und Lärmschutz, ermöglicht das Öffnen der Fenster und funktioniert als Klimapuffer. Parapete dienen als Blickschutz von der Strasse und als Speichermasse für bauphysikalische Berechnung und verhindern den Brandüberschlag.

Die Baukörper des Betriebsgebäudes nehmen die Flucht des Flötzersteigs parallel auf und erscheinen als zwei ruhige, gestreckte Volumen mit nur 10 Meter Bauhöhe. Ein zurückgesetztes Dachgeschoss gibt Platz für extensive Dachbegrünung der Hauptbaukörper und lässt diese mit der Baumallee entlang des Flötzersteigs optisch verschmelzen.

2. Verkehrstechnische Erschliessung und Bezugnahme zur Umgebung

Die Kreuzung und Einfahrtsstrasse wird an die westliche Grundstücksgrenze verlegt und vergrössert einerseits die bebaubare Grundstücksfl äche und gibt andererseits dem denkmalgeschützten Gebäude mehr Raum. Die Hauptzufahrt liegt westlich des Heizwerks. Dadurch wird eine geradlinige Strassenführung in das übrige Krankenhausareal sowie ein ausreichender Abstand vom Kurvenbereich bis zur Garagen Ein- und Ausfahrt erreicht. Durch den zusätzlichen Verschwenk und dem Schutzweg in Verlängerung des Zugangsboulevards wird die Geschwindigkeit reduziert, womit die Verkehrssicherheit gewahrt bleibt.

Die Hauptzufahrt wird zwar durch Gehsteige begleitet, der Hauptzugang für Fussgänger liegt jedoch abgetrennt vom Fahrzeugverkehr zwischen dem Ersatzheizkraftwerk und dem Gebäude. Für diese befi nden sich hier auch Einbringöffnungen, die durch seltene Sonderverkehre bedient werden. Der gesamte LKW- und PKW-Verkehr wird an der frühestmöglichen Anbindung in das Gebäude geführt. Somit wird die weiterbestehende Abteilung der Palliativmedizin nicht durch oftmalige Ein- und Ausfahrten in ihrer Qualität gestört.

Eine zweite, weiter westlich gelegene Einfahrt wird nur vom weniger frequentierten Entsorgungsverkehr genutzt, eine Durchfahrt zur Montleartstrasse wird - wegen des kreuzenden Fussgänger-Boulevards - ausgeschlossen. Die Pkw-Stellplätze werden in einer dreigeschossigen Tiefgarage untergebracht. Von den durchgehenden Rampen zweigen die Zufahrten zu den einzelnen Geschossen ab, was zu einer einfachen Orientierung führt. Eine Schrankenanlage ist platzmässig berücksichtigt.

Der Versorgungsladehof ist derart bemessen, dass die geforderten 10 LKW mit 12m Länge unabhängig voneinander zu- und abfahren können. Im Begegnungsfall eines ausfahrenden mit einem einfahrenden LKW kann der einfahrende LKW auf der Erschliessungsstrasse warten, ohne dass die Ein- und Ausfahrt der Garage dadurch behindert werden würde. Das Einfahren ist für alle Ladeplätze mit einmaligem Zurückschieben auf den Versorgungsladeplatz möglich. Das Auffahren ist aus den meisten Ladeplätzen direkt möglich, ansonsten muss maximal einmal rangiert werden. Dies gilt auch für den Entsorgungsladehof, der auf Müllfahrzeuge und Muldenabholfahrzeuge ausgelegt ist. Das Rangieren läuft ausschliesslich in den Ladehöfen ab, die Zufahrtsstrasse ausserhalb des Gebäudes wird dadurch nicht belegt.

Verzahnungen der Sockelzone und vorgelagertem Grünbereich mit der Baumallee des Flötzersteigs und Schaffung eines öffentlichen Platzes am Kreuzungspunkt zur Montleartstrasse. Teilweise begrünte Fassaden beim Betriebsgebäude, wo keine Tageslichtfenster notwendig sind. Wegen des ansteigenden Höhenniveaus des Flötzersteigs und damit Sicht auf das Dach des Betriebsgebäudes, Behandlung des Dachs als „fünfte Fassade“ mit extensiver Begrünung.

ARCHITEKTONISCHE QUALITÄT

1. Arbeitsplatzlösungen (natürliche Belichtung, effiziente Raumnutzung, Raumausstattung)

Beim Verwaltungsgebäude wird - der Anzahl der geforderten Bürogrössen entsprechend - ein Dreihüftypus gewählt. Die Trakttiefe mit 4,40 Meter lässt optimale Zellenbüros zu, die Trakttiefe von 5,60 Meter ist bestens geeignet für Gruppenräume mit internem Gang. Die Mittelzone nimmt effi zient die horizontale und vertikale Erschliessung auf, inkl. der erforderlichen Neben- und Sanitärräume. Bei Bedarf kann die gesamte Trakttiefe für Kombi- Büros oder Grossraumstrukturen Verwendung finden.

Die gewählte Trakttiefe von 16,60 Metern ermöglicht optimal belichtete Arbeitsplätze bei allen unterschiedlichen Bürolayouts. Lichtumlenkende Jalousien bringen darüber hinaus Einsparungen beim elektrischen Licht zu Dämmerungszeiten und trüben Wetter. Die durchgehenden Fensterbänder an den Aussenfassaden des Betriebsgebäudes ermöglicht ebenfalls ideal belichtete Arbeitsplätze. Analog wird durch Lichtumlenkung Tageslicht tief ins Innere befördert.

Zu optimaler Tageslichtversorgung aller Betriebsabläufe werden zwei grosse Innenhöfe mit 250 m2 bzw. 320 m2 herausgeschnitten. Ein weiteres Atrium im Verbindungsvolumens zwischen den Betriebsgebäuden bringt im Warenumschlagbereich des Lagers zusätzliches Oberlicht in diese wichtige Funktionsstelle.

2. Innere Erschliessung der Verwaltung und einfach fassbares Erschliessungssystem

Die stringente Raumorganisation ermöglicht einfachste Orientierung und lässt an den jeweiligen Stirnseiten Ausblick- und Kommunikationsinseln entstehen. Um den zentral gelegenen Stockwerkseingang bei Lift und Treppe gruppieren sich Empfang, Teeküche, Kommunikationszone und Besprechungsbereiche.

Im Erdgeschosseingangsbereich wird die Duplex-Liftgruppe als Durchlader zum Foyer organisiert und damit nicht nur beste Orientierung, sondern auch unabhängige Benutzung des Konferenzbereichs ermöglicht. Der Konferenzbereich ist auch wegen der externen Verwendung und den notwendigen Fluchtwegen im Erdgeschoss situiert. Nur der EDV-Schulungsraum wird im ersten Obergeschoss in den „halben Luftraum“ des grossen Saals gehängt.

Eine prominente, leicht zu begehende Treppe und die Lifte führen über den zweigeschossigen Luftraum gut sichtbar und erreichbar zu den Funktionsgruppen mit Publikumsverkehr im ersten Obergeschoss.