Wohnbau Albatros
BGF: 20 300 m²
Ort: Wien
Jahr: 2014

Kategorie                                 Wohnbau
Bauherr ÖSW, 6b47
Ort Wien
Jahr 2014
BGF 20 300 m2

PROJEKTBESCHREIBUNG


 

Städtebauliches Konzept

Zur Definition der raumplanerischen Ziele für das Umwidmungsverfahren des Grundstückes wurde im Herbst 2013 ein Klausurplanungsverfahren durchgeführt.

Das Ergebnis diese Verfahrens  bzw. der anschliessenden Bebauungsstudie war ein hybridesStadtmodell, bestehend aus einer umlaufenden, die Arealränder begleitenden Sockelzone in Anlehnung an die im räumlichen Umfeld teilweise vorhandene Blockrandbebauung mit Gewerbenutzung einerseits und einer darüber sich punktförmig entwickelnden Wohnbebauung mit 5 Hochpunkten. Die Sockelzone schafft eine differenzierte Zonierung von öffentlichem Strassenraum und halböffentlichem Hofraum. Dieser Hofraum bildet das räumliche Zentrum der Anlage und verbindet mit der umlaufenden zweigeschossigen Arkade alle Wohngebäude untereinander. Gemeinschaftsräume und Gemeinschaftsterrassen über der Sockelzone ergänzen das räumliche Angebot der Wohnungen an der Schnittstelle von halböffentlichem Bereich und privatem Wohnraum bzw. von Sockelzone und Wohntürmen. Die Öffnung des Sockels an der Westseite nimmt dem Hofraum die Hermetik und bindet das Baufeld in die umgebende bzw. sich in späterer Folge ergebende Bebauung Richtung Westen ein. Die Wohngebäude sind als individuelle Einheiten mit differenziertem Volumen und Höhenentwicklung vorgesehen bzw. reagieren auf die unterschiedlichen Einflüsse des Umfeldes. Die hybride Sockelnutzung soll die Etablierung einer neuen Mikroökonomie fördern. Dies soll zum einen durch die baulich, räumlichen Gegebenheiten und zum anderen durch spezielle Finanzierungs- und Betriebsformen gewährleitet werden.

 

Das Projekt

 

Bauplatz 4 befindet sich auf der Paragonstraße und verbindet mit der Arkade und der 3 geschossigen Sockelzone die Bauplätze 3 und 5. Das Projekt umfasst 103 Wohnungen und 5 Gewerbeeinheiten. Die oberen Geschosse 7.-11.OG des Wohnturms beinhalten jeweils 8 Wohnungen, während in den unteren Geschossen 3.-6.OG jeweils 10 Wohnungen untergebracht sind. Die restlichen Wohnungen sind im 3-geschossigen Sockel verteilt. Zudem können zwei Wohnungen im EG auch als Büros umfunktioniert werden und greifen somit das Thema der "Creative Industries" auf. Durch die verschiedenen Wohnungstypen entsteht ein angemessener Wohnungsmix, der die Vielfalt dieser Anlage fördert. In den unteren 2 Geschossen der Sockelzone befinden sich einerseits geförderte und freie Gewerbeflächen als auch großzügige Allgemeinflächen, wie hofseitig ein Indoor -Kinderspielplatz, eine Waschküche und ein Gemeinschaftsraum, die in die zweigeschossige Arkade münden. Der verbindende Charakter der Arkade - über alle Bauplätze - wird durch den durchgehenden großformatiger Bodenbelag in der Arkade und auf allen Bauplätzen gleiche Materialität der Stützen (Sichtbeton) betont. Außerdem verbinden einerseits großzügig begrünte Gemeinschaftsterrassen als auch die Laubengänge im 2.OGdie beiden Nachbarbauplätze 3 und 5. Insbesondere bei BPL4 und 5 werden mehrere Funktionen gemeinsam genutzt. So sind die Müllräume von BPL5 auf BPL4 untergebracht und umgekehrt die Fahrradräume von BPL4 auf BPL5. Zusätzlich haben beide Bauplätze eine Gemeinschaftsterrasse. Ein zusätzlicher Durchgang verbindet die Paragonstraße mit dem Innenhof und schafft somit mehr Durchlässigkeit zwischen Öffentlichem und halböffentlichem Raum. Der hofseitige Eingang ist von der Fassadenflucht zurückversetzt und wird durch ein 2 geschossiges Foyer markiert. Die Erschließung des Gebäudes erfolgt über ein zentral gelegenes, druckbelüftetes Stiegenhaus und 2 Liften. Der ab dem 2. Geschoss durchgesteckte Luftraum mit Glasoberlicht um die Wohnungserschließung fungiert als Lichtbrunnen für die unteren Geschosse und wird ebenfalls mechanisch belüftet (siehe Brandschutzkonzept und Konzept HKLS). Privates Wohnen, halböffentliche/öffentliche Funktionen und Gewerbe sind eindeutig in der Fassade ablesbar. Hofseitig verbindet die Arkade alle Bauteile miteinander und übernimmt viele halböffentliche/öffentliche Funktionen und umschließt so den gemeinsamen Innenhof. Die Straßenseite zeigt eine eindeutige Zonierung in Sockel und Wohnturm, privat und halböffentlich, den jeweiligen Grundrissen und Nutzungsinhalten entsprechend. Analog zu BPL3 herrscht im Sockelbereich, wo sich die Gewerbeflächen befinden, Stahl-Glas vor, während beim Wohnturm Silbergrau, Sichtbeton und Streckmetall dominieren. Der Wohnturm, mit silbergrauer WDVS verkleidet, wird geschossweise von einem rundumlaufenden Sichtbeton–Fertigteil Band umschlossen, das einerseits den Brandüberschlag verhindert als auch das Rhythmusspiel in der Fassade zusammenfasst. Dieses Stilelement wiederholt sich im weit auskragenden Dachvorsprung und sorgt für einen kräftigen oberen Abschluss. Markantes Fassadenelement ist die Rankwand, aus Edelstahl und Streckmetall mit integriertem Pflanzentrog, die sowohl als Rankhilfe als auch als seitlicher Sichtschutz dient. Im analogen Spiel zu den versetzten raumhohen Fensterelementen und Balkonen setzen die begrünten Rankwände zusätzliche Akzente in die Fassade und rhythmisieren diese. Jeder Balkon besteht aus Sichtbeton- Balkonplatten, einer Rankwand und Streckmetallgeländer Auf der hofseitigen Fassade sind EI 30A2 Betonbrüstungen aus brandschutztechnischen Gründen (kein äußerer Löschangriff möglich), vorgesehen.

 

Am südlichen Rand des Gesamtgrundstückes befindet sich Bauplatz 5 mit insgesamt 94 Wohnungen. In den 3.-10. Geschossen befinden sich jeweils 9 Wohnungen und im 11. Geschoss 6 Wohnungen. Es wurde auf die Flexibilität der Wohnungsgrundrisse großen Wert gelegt. Das bedeutet, dass die A- Wohnungen bei Bedarf den Nachbarwohnungen zugeschlagen werden können. Auch besteht die Möglichkeit zwei B- Nachbarwohnungen zusammenzulegen. Im Erdgeschoss befinden sich 6 Maisonette-Wohnungen mit Eigengärten. Die Wohnungsgrundrisse entsprechen dem Konzept eines durchdachten Wohnungsmixes. Der hofseitige Eingang ist von der Fassadenflucht zurückversetzt und wird durch ein 2geschossiges Foyer markiert. Die Erschließung des Gebäudes erfolgt ebenfalls über ein zentral gelegenes, druckbelüftetes Stiegenhaus und 2 Liften. Der über alle Geschosse durchgesteckte Luftraum mit Glasoberlicht um die Wohnungserschließung fungiert als Lichtbrunnen für die unteren Geschosse und wird ebenfalls mechanisch belüftet (siehe Brandschutzkonzept und Konzept HKLS). Bestimmte Stilelemente, wie die rundumlaufende Sichtbetonfertigteile oder die raumhohen Fensterelemente werden hier analog zu BPL4 ebenfalls aufgegriffen. Auch das wiederholende Spiel der versetzten Balkone und Fenster wurde übernommen. Trotz Ähnlichkeiten soll ein eigenständiger Charakter erreicht werden/ erkennbar sein. Dies wird einerseits durch eine andere Farbigkeit als auch Materialität erreicht. Bei BPL5 dominiert anthrazit/dunkelgrau/schwarz kobaltblaues Glas und Sichtbeton. Markantes Fassadenelement sind hier die Balkone mit ihren horizontal ausladenden Pflanzentrögen und ihren kobaltblauen Glas-Brüstungsfüllungen, die nochmals die Horizontalität betonen. Bei beiden Bauteilen ist die hofseitige Fassade mit Betonbrüstungen EI 30A2 aus brandschutztechnischen Gründen (kein äußerer Löschangriff möglich), vorgesehen.

 

Kindergarten:

Das Ende der Sockelzone wird von einem 2 geschossigen Kindergarten flankiert, der gleichzeitig die Öffnung zum Innenhof hin kennzeichnet. Formal setzt sich der Kindergarten durch seine Pfostenriegelfassade mit bunten Fensterelementen in verschiedenen Formaten von der Fassade des Wohnturms ab. Der Baukörper ist zwar leicht von der Sockelzone abgesetzt und als eigenständiger Bauteil erkennbar, trotzdem fügt er sich nahtlos in die Sockelfassade ein. Es wurde großen Wert auf den natürlichen Bewegungsdrang der Kinder gelegt, was sich in den fließenden offenen Grundrissen wiederspiegelt. Während die Nebenräume kompakt und funktional angeordnet sind, sind die Räume für die Kinder großzügig und durchlässig geplant. Der Kindergarten besteht aus 4 Gruppenräumen, die westwärts zum eigenen Garten hin orientiert sind. Die interne Erschließung erfolgt fließend über eine Treppe und Rampen, die einerseits den offenen Eingangsbereich /Bewegungsraum mit den Garderoben bzw. den Gruppenräumen verbindet. Bei Bedarf besteht die Möglichkeit der Nutzung eines Aufzuges. Durch die Versetzung der Gruppenräume in die Tiefe ergibt sich ein interessantes Höhenspiel, das Kinder zur Raumerkundung animieren soll. Die bunten versetzten Fensterelemente in der Fassade greifen ebenfalls die Thematik der differenzierten Höhen auf und bringen so verspielte Elemente in die Fassade ein.